Erfahrungsbericht

Erfahrungen mit der Galvano-Therapie

Erfahrungsbericht über die Galvano-Therapie bei meinem Zungentumor


Mein Name ist Ruth und ich bin 50 Jahre jung. Im Dezember 2017 wurde bei mir in der Zunge ein klarzelliges Karzinom der Speicheldrüse / klarzelliges Mukoepidermoidkarzinom festgestellt.

Die Vorgeschichte:

Bei der jährlichen zahärztlichen Untersuchung im Dezember 2017 wurde ich wegen eines anhaltenden Taubheitsgefühls in der Zungenspitze an der Mund-Kiefer-Chirurgie in Passau zur Abklärung überwiesen. Der Arzt konnte sich die deutliche spürbare Schwellung im vorderen Drittel der Zunge nicht erklären und hat mich an die Uniklinik in Erlangen (Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie) verwiesen um möglichst schnell ein CT mit Kontrastmittel erstellen zu lassen. Wegen der Dringlichkeit habe ich mich am 28./29. Dezember 2017 in Erlangen stationär aufnehmen lassen.

In Erlangen konnte dann das CT angefertigt werden (dies konnte den Knoten der Zunge nicht abbilden, jedoch die Lymphknoten waren frei von Veränderungen) und eine Gewebeprobe des Knotens aus der Zunge wurde entnommen. Bei der ersten vorläufigen Besprechung am 28. Dezember 2018 sagten mir die Ärzte in Erlangen, dass der Knoten nach erster Untersuchung „gutartig“ sei, jedoch durch die erhebliche Größe unbedingt zu entfernen sei. Der Knoten hatte eine ungefähre Größe von 2cm x 2,5 cm (etwa so groß wie eine Walnuss) und blockierte zu der Zeit bereits erheblich die Nerven der Zungenspitze (anhaltendes Taubheitsgefühl). Eine Alternative konnte mir nicht aufgezeigt werden. Man wollte das endgültige Ergebnis der Biopsie abwarten und sich dann wegen der weiteren Vorgehensweise mit mir in Verbindung setzen.

Am 04. Januar 2018 wurde mir telefonisch der Endbericht der pathologischen Untersuchung der Gewebeprobe mitgeteilt. Dem nach sei der Knoten nun doch „bösartig“ und eine Entfernung dringend und zeitnah erforderlich. Die OP sollte wie folgt stattfinden: Der Knoten sollte mit umliegendem „gesunden“ Gewebe (ca. 1 cm umliegendes Gewebe) sollte vollständig entfernt werden. Was bedeutet, dass ich rund 1/3 meiner Zunge mit fast allen Geschmacksknospen unwiderruflich verloren hätte. Ein Wiederaufbau der Zunge aus Eigengewebe aus dem Unterarm zur Rekonstruktion der Zunge würde in einer zweiten OP erfolgen. Dies sollte es mir ermöglichen wieder sprechen und schlucken zu lernen. Es wurde von 14 Tagen Kliniksaufenthalt ausgegangen.

Am 05. Januar 2018 hat mich das Sekretariat zwecks OP-Termin angerufen, der Termin für die stationäre Aufnahme zur OP wurde für den 24. Januar, die OP für den 25. Januar 2018 festgelegt.

Am 8. Januar 2018 wurden mir die Fäden der Gewebeprobe in der Mund-Kiefer-Chirurgischen Praxis in Passau entfernt. Der behandelnde Arzt hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass bei meiner Diagnose und bei dem geplanten Eingriff der berufliche Ausfall in der Regel bei einem halben Jahr liege, viele Patienten gar nicht mehr ins berufliche Leben zurückkehren.

Zu dem Zeitpunkt befand ich mich in Schockstarre, nicht ahnend sich das Blatt noch einmal drehen könnte.

Mit der Diagnose bin ich dann zur Heilpraktikerin meines Vertrauens gegangen. Auch ihr stand der Schock ins Gesicht geschrieben und sie sagte: „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!“ Beim folgenden Termin eine Woche später sagte sie: „ Ich war nicht ganz untätig“ und gab mir eine Infobroschüre der Galvano-Therapie in die Hand. Sie erzählte mir von Dr. Hans Mayer, der zwar leider verstorben sei, und dessen erfolgreiche Studie an der Uni in Frankfurt. Dessen Sohn, Dr. Florian Mayer, habe die Praxis gerätetechnisch neu ausgestattet und führe das Lebenswerk nun fort.

Galvano???? Nie gehört!!! Aber alles besser, als das was mir sonst geblüht wäre, dachte ich. Mein Mann sagte: „Schau ma uns an, was hast scho zu verlieren?“ Jeden dem ich’s erzählt hab, hatte nur Fragezeichen im Gesicht, alle waren skeptisch.

Also habe ich am 16. Januar 2018 einen ersten Beratungstermin in der Praxis Dr. Florian Mayer in Regensburg vereinbart. Herr Dr. Florian Mayer hat sich den Sachverhalt schildern lassen, die mitgebrachten Untersuchungsergebnisse der pathologischen Untersuchung durchgelesen und dann kam der Satz: „Frau K.-H., Sie sehen mich jetzt nicht jubeln und hüpfen –mach ma und weg is er.“ Mir ist ehrlich gesagt das Herz in die Hose gerutscht. „Schau ma uns den Knoten an und dann reden wir weiter.“ Häää – anschauen??? Mein Mann und ich haben und verdutzt angeschaut. „Wie? Die in Erlangen konnten den Knoten ja selbst mit Kontrastmittel nicht darstellen!“ „Na mit Ultraschall, das Gel schmeckt zwar ned gut, aber es funktioniert.“ Kam’s zurück.

Die Aussichten, den Knoten ohne Teilverlust der Zunge entfernen zu können, konnte mir Dr. Mayer im weiteren Gesprächsverlauf nicht garantieren, jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit würde weit mehr von der Zunge und auch von der Funktionalität (sprechen und schlucken) erhalten bleibe, als bei der operativen Entfernung des Knotens. Die Kosten müsste ich wahrscheinlich selber tragen, dies schien mir aber zu dem Zeitpunkt Nebensache.

Was hatte ich schon zu verlieren! Der Weg zur Operation stand mir ja nach wie vor offen. Auch wenn der Arzt, der mich nach der Terminabsage der OP angerufen hat und massiv auf mich eingeredet hatte.

Am 23. Januar 2018 bin ich dann zur 1. Behandlung nach Regensburg gefahren. Drei Stunden mit zwei Nadeln in der Zunge – muss echt ein lustiges Bild abgegeben haben. Ich glaub der Doktor hat ganz schön geschwitzt beim Setzen der Sonden ☺. Der Knoten war ja fast wie ein Stein. Als die zweite Sonde drinn war, hat er noch die Lage mit Ultraschall kontrolliert – passt – Klemmen für Strom rann und los ging es. Weil ich keine Vorstellung hatte wie die Behandlung ablaufen würde, war’s auch nicht so schlimm. Die Schmerzen waren gering. Wahrscheinlich waren die geklemmten Nerven in der Zungenspitze einfach nur fast tot.

Na wenn alle so ablaufen, dachte ich mir, dann übersteh ich das ja mit links.

Schön wär’s gewesen. Die 2. Behandlung am 31. Januar 2018 musste wegen zu starker Schmerzen nach einer Stunde abgebrochen werden. Ich hatte keine Chance die Behandlung zu überstehen. Aus mir noch immer unbegreiflichen Gründen wirkten die Schmerzmittel nicht. Aber auch diese eine (für mich) Horrorstunde trug zum Heilungsprozess bei.

Ich war am Boden zerstört. Wie komm ich aus dem Tief wieder raus? Hier kommt meine Heilpraktikerin wieder ins Spiel. Begleitend zur Behandlung haben wir Dauertropfinfusionen zur Immunabwehr gemacht. Mit Heil- und Selbsthypnose und mit viel zureden habe ich dann die weiteren Behandlungen überstanden. Die Behandlungen 3. und 4. konnten über einen Zeitraum von jeweils zwei Stunden verabreicht werden. Es war nicht angenehm, ich hatte Schmerzen, ich war einfach nur .... na ja, Geduld mit mir selbst haben ist nicht meine Stärke. Was mir noch im Gedächtnis geblieben ist, ist das komische „schlazige“ Gewebe das sich nach der 3. oder 4. Behandlung aus der Wunde abgesondert hat. Echt Eeeklig.

Ich glaube es war vor der 4. Behandlung als mich Dr. Mayer gefragt hat: „Frau K.H. – merken Sie das eigentlich selber?“ Ich total verdutzt: „Was?“ „Na ja, dass Sie nicht mehr so knödelig reden wie vor der ersten Behandlung!“ Ich wieder „Nö, ich hör mich ja jeden Tag.“ Der Knoten war ab der 3. Behandlung auch für mich schon fühlbar geschrumpft.

Nach der 4. Behandlung stand die 1. Kontrolle an: Dr. Mayer strahle über das ganz Gesicht, denn er konnte mir jetzt schon sagen, das die Zunge zu 100% erhalten bleibt und zwar mit der vollen Funktionalität (Geschmacksnerven). Der Knoten war bereits um 90-95% geschrumpft und hatte nur mehr eine Größe von 0,4 x 0,6 x 0,4cm. Einen, maximal zwei Termine sollten den Knoten nun ganz zum Verschwinden bringen.

20. März 2018 – 5. Behandlung – ich hatte echt eine scheiß Angst. Der Knoten war so klein, wie sollte das funktionieren? Gekonnt und mit einen bewundernswerten Ruhe hat Herr Dr. Mayer die Sonden gesetzt, den Strom angeschlossen und los ging’s. Die Dosierung wurde geringer eingestellt um das umliegende Gewebe möglichst nicht zu belasten. Zwei Stunden hielt ich es aus. Mehr war für mich nicht zu ertragen.

Nach 2 Tagen wurde die Einstichstelle der Sonden dunkelgrau - na „prost-mahlzeit“ dachte ich. Es war eine etwa 2 Cent große Stelle, die sich mehr und mehr absonderte, nach 10 Tagen hatte sich das Gewebe fast komplett gelöst und hing nur noch, sozusagen am seidenen Faden, in der Wunde. Grau – schlazig – eklig. Raus damit, dachte ich, ned dass ich’s no verschluck. Vorsichtig habe ich das Teil mit der Nagelschere vom Rest der Zunge getrennt. Tat nicht weh. Zurück blieb ein Loch so groß wie eine halbe Erdnuss. In dem Moment wo das Teil raus war hatte ich das Gefühl, dass der ganze Ballast von mir genommen wurde und ab da konnte es nur noch bergauf gehen. Am 10. April 2018 (das Loch war zw.ztl. nur noch als Y-Riss sichtbar) fuhr ich mit dem Gefühl nach Regensburg, dass kein weiterer Termin mehr nötig ist. Dr. Mayer konnte mir mein Gefühl bestätigen. In meiner Zunge war nur noch eine Verhärtung bzw. die Vernarbung festzustellen. Vor Freude konnte ich alle in der Praxis nur ganz herzlich drücken.

Der weitere Verlauf wird jetzt noch kontrolliert. Dr. Mayer: „Frau K.-H., wenn Sie das Gefühl haben, da ist was, gleich kommen, ansonsten sehen wir uns zur nächsten Kontrolle in vier Wochen.

Die vier Wochen sind zwischenzeitlich auch schon wieder ins Land gegangen. Alles gut, auch die Vernarbung bildet sich zurück. Das Taubheitsgefühl der Zungenspitze ist mal mehr mal weniger da – Die Narbe ist je nach Wetterlage empfindlich, aber ich bin mir sicher auch das wird weniger werden ☺.

Herzlichen Dank Herr Dr. Mayer und an alle in Ihrem Team! Herzlichen Dank Helena!

Ich kann jetzt, nach nicht einmal 4 Monaten wieder meiner Tätigkeit und mein Leben ohne Einschränkung leben!

Ps.: Die Kosten der Behandlung inkl. Fahrten und Kosten der Behandlung für die Immunabwehr belaufen sich jetzt auf ca. 8.000€. Zum Vergleich: Die Kosten der Operation Entfernung des Knotens, der Aufbau der Zunge, Reha-Maßnahmen und Logopädie, sowie die Ausfallzeiten im Beruf von mindestens einem halben Jahr lägen bei nicht weniger als 50.000€. Ganz zu schweigen von den psychischen Problemen, die ein solcher Eingriff mit sich bringt. Es ist schade, dass ich als Patient meine Krankenkasse verklagen muss, damit ich meine Kosten erstattet bekomme.


Mai 2018