Erfahrungsbericht

Erfahrungen mit der Galvano-Therapie

Danke für die Therapie meiner benignen Prostatahyperplasie mittels Galvano-Therapie.


Guten Tag,
sehr geehrter Herr Dr. Mayer,

auf diesem Wege möchte ich mich bei Ihnen für alles bedanken, was Sie mir in einer für mich schwierigen Situation haben zukommen lassen – von der Erstberatung bis zu Ihrer Nachsorge nach der Therapie.

Vielleicht es für Sie als Arzt, der jeden Tag mit vielen Patienten zu tun hat ungewöhnlich, aber Ich möchte Ihnen meinen Dank ausdrücken, in dem ich Ihnen meine gesamte Situation als eine Patienten Erlebnisgeschichte niederschreibe.
Vielleicht kann ich somit auch ein wenig dazu beitragen, dass Männer in meinem Alter und gleicher Diagnose die Scheu verlieren, sich mit der Galvanotherapie ersthaft als Problemlösung für das eigene Leiden auseinanderzusetzen. Dies wünsche ich Ihnen, der Praxisklinik, Ihrer aussergewöhnlichen Therapie und allen Patienten, die nach der Therapie Ihre Klinik wieder verlassen und mit dem gleichen Lachen und der gleichen Lebenfreude wie ich wieder das Leben geniessen.

Danke, dass ich Ihnen in diesem Leben begegnen durfte. Danke an Patricia Schmidt sowie an Nathalie und Sophie Michel. Sie alle haben mir ein Gefühl menschlicher Nähe und Wärme gegeben und für mich aus dem Behandlungsraum ein behagliches Wohnzimmer werden lassen. Danke ihnen für alles.

Ganz herzliche Grüße
- Patient

Meine ganz persönliche BPH Geschichte

Dazu erst einmal ein paar grundsätzliche Wahrnehmungen. Es geht um mein „bestes Stück“ und meine Lebensqualität, die sich massiv verändert hat. Es ist mir klar geworden, dass ich mein Problem nicht verdrängen oder ignorieren konnte, es würde mich immer wieder einholen.

Es geht um mein bestes Stück und es geht um meine Prostata. Mit meinen fast 65 Lenzen ist das Thema Prostata sehr schnell mit Krebs assoziiert und damit kommt zur rein medizinischen Betrachtung auch das Gefühl der blanken Angst. Wen wundert es, wenn statistisch betrachtet, drei Männer über Jahrzehnte zum Stammtisch treffen, dann haben alle drei eine vergrößerte Prostata und zwei von ihnen zusätzlich eine Tumordiagnose. Das Risiko also, dass es mich selbst erwischt oder ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis auf Betroffene treffe, steigt mit zunehmenden Lebensalter und liegt am Ende bei fast 100%, denn der Prostatatumor und das Lebensalter gehen Hand in Hand.

Dankbar, dass mich der Krebs verschont hat, geht es bei mir „nut“ um eine gutartige Vergrösserung meiner Prostata also einer BPH (benigne Prostatahyperplasie) . Damit befand ich mich in großer Gesellschaft, denn die bekommt praktisch jeder, wenn er mal die 50-60 Jahre an Lebensjahren überschritten hat. Das ist hormonell bedingt und keine Krankheit, aber sie kann „krank“ machen, weil die Begleiterscheinungen mächtig nerven und einem umgangssprachlich so richtig „auf den Sack“ gehen.

Meine erstes Fazit: Bekomme ich meine Prostata nicht in den Griff, nimmt meine Prostata meine Harnröhre in den Würgegriff und das will ich sicher nicht.

Meine Beziehung zu IHM – meinem besten Stück

Manche nennen ihn Schorsch oder Schniedel, Zipfel oder Schwanz, Penis oder was auch immer. Ist auch egal, es geht um IHN. Mein bestes Stück, hat für mich als Mann eine ganz besonders große Bedeutung. Er ist das sichtbare Zeichen meiner Männlichkeit, er unterscheidet mich von den Mädels und er ist das Organ von dem viele (meist Frauen) glauben, es würde die Männer steuern und die beiden Hoden wären die beiden Gehirnzellen des Mannes.

Ganz so falsch ist das mit der Steuerung nicht, denn wenn ER nicht mehr zu bremsen ist, kommt der Verstand nur selten hinterher. Und ist die Blase voll, führt ER mich dorthin, wo er seinen Job als Blasenentleerer tun kann. Das kann manchmal zeitlich sehr eng sein – vor allem dann, wenn weder Toilette, noch Baum, noch Hecke in der Nähe sind.

Was ich damit sagen will ist, dass ER für mich und uns Männer nicht einfach nur ein Dasein wie der Blinddarm fristet. ER wird gebraucht. Jeden Tag mehrmals und das in seiner Primär- und seiner Sekundarfunktion – also zur Blasenentleerung und natürlich in der Sexualität.

ER ist das Organ, an das ich nur eine Erwartung habe: ER muss funktionieren!

Und solange ER es tut, verschwende ich auch keinen Gedanken daran, wie es sein könnte, wenn ER es nicht mehr oder nur noch eingeschränkt tut.

ER darf auch nur von mir selbst oder meiner Lebenspartnerin angefasst werden, denn im Gegensatz zu den Damen mit ihren Gynäkologen rannte ich nicht schon ab der Pubertät, der ersten Periode oder spätestens zur Empfängnisverhütungsberatung in schöner Regelmäßigkeit zum Arzt, lasse mich Abtasten oder Abstriche machen ....

Nein, das ist nicht meine Welt und deshalb behüte ich IHN und bin es auch nicht gewohnt, mich regelmäßig mit gespreizten Beinen einem dritten zu zeigen und mich dann auch noch befummeln zu lassen.

Alles rund um IHN ist für mich eher ein Tabuthema. Ich denke gar nicht dran, über ihn zu reden und schon gar wenn es IHM nicht gut geht. Wen geht so was schon was an?

Irgendwann aber kam der Moment, an dem sich rund um IHN herum etwas verändert hat. Das Drama um IHN nahm seinen Lauf.

Die ersten Anzeichen

Wie schön ist das Gefühl, morgens ausgeschlafen aufzuwachen? Mit Freude und Elan sich an das Tagwerk zu machen. Einfach herrlich. Das war mal. Die Tage, an denen die Nacht scheinbar eben erst begonnen hat, wurden immer zahlreicher. Immer öfter stand ich morgens hundemüde auf. Aber was soll's, vielleicht einfach nur schlecht geschlafen. Kein Wunder, wenn ich nachts öfter zur Toilette musste, vielleicht sollte ich vor dem Bettgehen doch auf zuviel Flüssigkeit verzichten.

Der erste Weg dann aber morgens schnell zur Toilette, denn die Blase ist ja randvoll. Ahhhh, tut das gut und es läuft und läuft und läuft. Irgendwann ist man dann endlich fertig und will einpacken und doch meldet sich noch ein kleiner Strahl Urin, der seinen Weg in die Freiheit noch nicht gefunden hat. Also wieder auspacken, etwas warten, noch zweimal gedrückt und draussen ist er, der restliche Urin.

Jetzt aber unter die Dusche. Oh tut das gut, die Lebensgeister erwachen. Aber was ist das? Schon wieder das Gefühl, Wasser lassen zu müssen? Das kann doch gar nicht sein. Ich war doch noch eben auf der Toilette.

Aber was soll es, es wird alles wieder normal und schließlich bin ich kein Hypochonder. Es war einfach wie es war und definitiv nicht im Entferntesten ein Grund mir Gedanken zu machen. Ist eben wie bei einer Grippe: Sie kommt und geht auch irgendwann wieder.

Die Tage und Monate vergehen und weil alles so schleichend ist, fällt es gar nicht so richtig auf:

Die Zeit zum Wasserlassen selbst wird immer länger und der Strahl war nur noch halb so dick. Ein Gefühl, als ob bei Rasensprengen jemand auf dem Schlauch steht.

„Du kannst kannst ihn schütteln, Du kannst ihn stoßen –
der letzte Tropfen geht doch in die Hos'n“

Diese alte Männerweisheit ist bei einer BPH definitiv falsch, denn bei einer BPH geht es längst NICHT mehr nur um Tropfen. Da kann man pinkeln so lange man will, die Blase wird nicht leer und will man am Urinal sein bestes Stück wieder einpacken, meldet sich der nächste Schub Urin. Das geht oft gut, aber eben immer seltener, denn oft geht der letzte kleine Strahl(!) dann doch in die Hos'n, was a) zuweilen peinlich aussieht und b) sehr unangenehm ist, wenn die Eichel das Milieu einer feuchten Unterhose so lange ertragen muss, bis selbige eben irgendwann mal durch Körpertemperatur und Sitzheizung im Auto wieder trocknet.

Tja, und glaubte ich dann, dass ich mein Geschäft endlich und für eine Weile nachhaltig geregelt habe, dauerte es gar nicht so lange und meine Blase meldete sich wieder und wollte wieder entleert werden. Man möchte es kaum glauben, dass konnte manchmal schon nach 10 Minuten oder auch schneller nach der letzten Entleerung geschehen.

Kurzum:
Ein geregeltes Schlafen gehörte für mich zur Vergangenheit.

Meine Realität:
Einmal nachts aufstehen – ein Geschenk Gottes und die absolute Ausnahme.
Zweimal nachts aufstehen – damit hätte ich gerade noch leben können.
Dreimal nachts aufstehen – war die Regel.
Viermal nachts aufstehen – wurde der immer öfter werdende Horror.
Fünfmal Nachts aufstehen – geht gar nicht, denn die Nacht war bereits vorbei, geschlafen hatte ich gefühlt gar nicht, aber das Gefühl zu einer Blasenentleerung war schon wieder da.

Die Konsequenzen kann sich jeder vorstellen: Müdigkeit von früh bis spät aber die Fähigkeit in jeder! und ich meine wirklich in jeder! Situation und Umgebung binnen Sekunden schlafen zu können. Das ist dann eine Katastrophe, wenn, wie in meinem Fall, ein Kfz der Arbeitsplatz ist und es Fahrgäste nicht wirklich prickelnd finden, auf einer Fahrt von München nach Stuttgart von mir dreimal um eine Pipipause gebeten werden, weil ich mal wieder mal das Gefühl der vollen Blase hatte und dringend mal wieder ein Schläfchen zur Erholung brauchte.

Mein Grübeln über den Umgang damit

SO konnte es nicht weitergehen und irgendwann war meine Scham des eitlen und in sein Geschlechtsteil verliebten Mannes gebrochen. Der Termin beim Urologen wurde vereinbart. Davor aber habe ich das Internet leer gesaugt. So hatte ich wenigstens schon eine Ahnung, was auf mich zukommen sollte.

Und genauso kommt es dann auch: Am Empfang wie immer nur Frauen und im Wartezimmer nur Männer. Beim Blick in die Augen der Leidensgenossen überkam mich unweigerlich das Gefühl „Du auch, du armer Hund“. Dann die Routine: Röntgenbilder, Ultraschall, Blutentnahme und bitteschön noch einen Plastikbecher voll machen. Ist halt immer wieder ein Gefühl der besonderen Art, die Wärme des eigenen Urins am Plastikbecher zu spüren. Und natürlich der Höhepunkt auf den ich lange gewartet habe: Des Doktors Finger mit dem Handschuh und dem Gleitgel in meinem Enddarm auf der Suche nach der Prostata und deren Lage und Größe. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Irgendwann ist es dann geschafft. Wieder vollständig angezogen und in voller Erwartung seiner Diagnose.

Aber zunächst kam erst mal eine grundsätzliche Erklärung des Urologen, dass die Harnröhre durch die Prostata verläuft, in meinem Fall gut 4-fach vergrößert war aber eine Wölbung hat, welche direkt auf den Blasenausgang drückt. Er meinte, grundsätzlich sei eine gutartige Prostatavergrößerung kein Problem und für Männer in meinem Alter völlig normal. Die Ursache ist eine altersbedingte hormonelle Veränderung im Körper. Na Gott sei Dank ist die Angelegenheit gutartig.

Er wollte mir erklären, dass diese Wölbung auf den Blasenausgang sich so anfühlt, als ob sich das Waschbecken zunehmend füllt und keiner den Stöpsel am Ausgang entfernt.

Als ich ihm dann noch gesagt habe, dass es in der Harnröhre so ein leicht brennendes Gefühl gibt, weil der Urin nicht richtig abläuft, hat er genickt und ich hatte das sichere Gefühl, dass ihm meine Symptome vertraut sind und ich nicht sein erster BPH-Patient bin.

„Allerdings“ meinte er, „da der Urin nicht vollständig abfließen kann, kann es durch den Rückstau zu einer vermehrten Keimbildung und damit auch zu Entzündungen kommen.“

Eigentlich war ich jetzt völlig bedient und wollte nur noch wissen, was man dagegen machen kann und wann man etwas dagegen tun muss.

Völlig trocken und humorlos meinte er, dass man zwar im Moment mal mit Medikamenten arbeiten kann, aber irgendwann eine Operation nicht umgangen werden sollte. Dies aber nicht zwingend aus medizinischen Gründen, vielmehr zur Verbesserung der Lebensqualität durch eine Verkleinerung der Prostata.

Auf meine Frage, wie so eine Operation abläuft, sprach er zunächst von einer transurethralen Resektion der Prostata. In einem Krankenhaus ... unter Vollnarkose ... mit einem Laser ... Abtragen von Teilen der Prostata .... durch die Harnröhre ... danach einen Katheter .... Aufwachraum ... mehrere Tage im Krankenhaus ...

Die von ihm beschriebenen Nebenwirkungen und Risiken wie Nachblutungen, Infektionen, Nebenhodenentzündung oder Harninkontinenz habe ich schon gar nicht mehr richtig wahrgenommen, denn in diesem Moment wusste ich, dass wenn diese Therapie nur halb so schlimm ist, wie sie sich anfühlt und anhört, dann lasse ich alles wie es ist. Der Gedanke, eine OP durch die Harnröhre – iiiigitttt, das geht gar nicht! Andererseits war ich mir auch der Konsequenzen klar, alles so zu belassen, wie es ist. Genau das war auch keine Lösung und somit befand ich mich in einer Gedankenspirale, die alles andere als schön oder beruhigend war.

Die Zeit im Niemandsland

Ich war beim Arzt, hatte eine Diagnose bekommen, die mich nicht erfreute, mich aber auch nicht erschütterte. Die Vorstellung, dass ich irgendwann, möglicherweise etwas tun könnte, was meine Lebensqualität verbessert aber nicht das Leben rettet, führte mich sehr schnell in die Haltung: „Erst mal tun wir nichts und dann warten wir mal ab“.

Was sollte sich auch groß ändern? Die Prostata war größer, aber die Vergrößerung war gutartig. An die Morgenmüdigkeit hatte ich mich im Laufe der Zeit ebenso gewöhnt, wie an die Schlafattacken während des Tages. Und dass der Verbrauch an Unterhosen gewachsen ist, betrifft die Waschmaschine und nicht mich. Das Pinkeln ging nach wie vor, wenn auch ziemlich lausig.

Allerdings, und jetzt wird es kompliziert. Ich bin ja noch nicht so alt, dass ich schon Golf spiele, weil ich keinen Sex mehr habe. Also irgendwann passierte es eben, dass ER gefordert war und es sollte dabei auch zu einem Orgasmus kommen. Aber was war das denn für ein scheiß Gefühl? Geht denn der Schuss im wahrsten Sinn des Wortes nach hinten los? Ein Orgasmus nach innen? Es juckte, es krampfte aber dieses herrliche Gefühl des Lösens, wo war es denn verdammt noch mal? Es war alles nur noch komisch, seltsam. Nun war mir klar: So nicht! Es musste etwas unternommen werden, denn die nächsten oder gar restlichen Jahre meiner genitalen Sexualität so zu verbringen, geht gar nicht. Basta.

Meine Suche nach Lösungen

Es begann eine schwierige Zeit für mich. Das Internet bot mir viel, aber nichts was mir gefiel. Der Gedanke an die vom Doktor angesprochene transurethrale Resektion der Prostata, also das Ding mit dem Laser durch die Harnröhre, war von Anfang an ein No-Go für mich und zu Hormonbehandlungen fehlte mir das Vertrauen, dass sich zeitnah etwas verändert.

Mein Suchfrust hatte sich dann allerdings etwas verflüchtigt, als ich von der Galvanotherapie eines Arztes in Regensburg erfahren habe, der mit dieser Galvanotherapie üblicherweise verschiedenste Tumore und u.a. auch das Prostatakarzinom behandelt – nicht operativ und ambulant.

Nicht operativ und ambulant waren für mich die ersten Schlüsselwörter für ein wachsendes Wohlbefinden. Jetzt war das Googeln des Arztes und seiner Therapie einfach. Ich konnte nachlesen, dass er zur Therapie 2 dünne Nadeln, also Elektroden, in der Prostata platziert und mit einem Ultraschallgerät die genaue Lage der Nadeln in der Prostata überprüft. Dann kommt auf die beiden Elektroden Gleichstrom und der Rest wären das biochemische Prozesse. Es wird nichts raus geschnitten oder geschabt, dem Körper wird geholfen, sich selbst zu heilen.

Meine gelernte Lebenserfahrung aber sagt: Worte der Werbung umschreiben, beschönigen und sind nicht immer wahr. Was sich also gut anhört muss nicht zwangsläufig gut sein.

Irgendwann war dann der Impuls da: Anrufen, nachfragen und Unklarheiten beseitigen.

Die Kontaktaufnahme mit den Damen der Praxisklinik war sehr freundlich und herzlich. „Gut trainiert“ war mein erster Gedanke – aber sehr angenehm. Ein Termin für ein Erstgespräch war innerhalb einer Woche gefunden. Allerdings musste ich wissen, ob die Therapie nicht nur bei einem Prostatatumor, sondern auch bei einer ganz normalen Vergrößerung der Prostata eine Lösung für mich sei. Ein kurzes knappes „Ja, und das mit sehr guten Resultaten“ war eine für zufriedenstellende Antwort.

Da stand er dann der Doktor. Groß, kräftig um die 40, Bartträger und ein Lächeln und eine Freundlichkeit, die sogar für mich als Mann ansteckend war. Ich habe von Ihm viel erfahren. Er hat mir die Therapie bezüglich Wirkung und Ablauf genau erklärt und ich könne beruhigt sein, denn sein verstorbener Vater therapierte seine Patienten eben mit dieser Therapie schon seit 1995 und er selbst als Oberarzt der Radiologie hat in dieser Galvanotherapie promoviert.

Das Ganze bekam für mich Hand und Fuß und mein Wohlbefinden im Zusammenhang mit meiner Diagnose und der Galvanotherapie stieg von Minute zu Minute. Nur ein Thema bereitete mir mächtig Bauchschmerzen: Ich musste die Therapie selbst bezahlen, da weder eine gesetzliche Krankenkasse noch meine Private Krankenkasse die Therapiekosten übernimmt. Es geht immerhin um eine Summe von maximal € 6.000 aber dazu später mehr. Für den Moment nur so viel: Ich habe zugesagt und mich für diese Therapie entschieden.

Ein Dienstag im Dezember

Meine erste von zwei geplanten Behandlungssitzungen stand an. Ich also im Auto nach Regensburg und die Parkuhr für gut 3 Stunden gefüttert, denn solange dauert eine Sitzung. Das heißt, die reine Sitzung dauert 3 Stunden. Dazu kommt noch die Vorbereitung von etwa einer halben Stunde.

Mein Behandlungszimmer war gerichtet und wartete auf mich. Ein Ultraschallgerät, das Gerät mit den Kabeln und Elektroden und dem Gleichstrom, ein Wagen mit allen möglichen Utensilien der Wundversorgung und ein wunderbar weiches Bett. Das Zimmer selbst ist freundlich in gelb gehalten.

Ich durfte mich entkleiden – also ab dem Bauchnabel nach unten und dann ins Bett. Ein Zugang an meiner linken Hand war schnell gelegt, auch wenn meine Vene sich etwas zurückzog und nicht so recht wollte. Dann lief die Infusion, einfach um später ein wenig müde zu sein und ein wenig das berühmte lmaA -Gefühl zu bekommen, was sich auch sehr schnell einstellte.

Am Fußende stand dann da quer so ein Holzgestell, wie eine Hantelbank aus dem Fitnessstudio. Die Beine sollte ich drauf legen. Also nach unten gerutscht und die Beine hoch und drauf und es war da: dieses komische Gefühl für einem Mann vor einem Arzt und seiner Assistentin wie die Frauen in der sog. Steinschnittlage auf ihrem gynäkologischen Stuhl zu liegen. Aber was soll's, wer A sagt, muss auch B) sagen und irgendwie muss der Arzt ja an die Prostata ran kommen. Durch die Bauchdecke ist bestimmt keine Option.

Von Dr. Mayer kam dann der Satz der Sätze: „Können wir anfangen?“ Was sollte ich außer „Ja“ sagen? Die nächsten Gefühle waren „überwältigend“. Erst wurde mein Hoden mit einem Pflaster hochgebunden, dass er nicht im Weg ist. Ok, es gibt Schlimmeres. Ab hier waren meine Erwartungen jetzt nur noch auf Schmerzen gepolt. Was aber kam, war ein Flutschen des Ultraschallkopfes in meinen Enddarm. Das war des Arztes Fernsehkamera. Nun konnte er auf dem großen Bildschirm sehen, wie meine Prostata aussieht und er wusste genau, wohin er die Elektroden platzieren wird.

„Es macht jetzt gleich einen kleinen Stich“, sagte er zu mir. Und dann war er auch schon da. Unten am Damm, zwischen Hoden und After, setzte er erst auf der linken Seite eine Spritze mit der er den späteren Einstichkanal der Elektrode örtlich betäubte. Das war wie jede andere Spritze in meinem Leben auch, nur war es deutlich zu spüren, dass es tiefer ging. Jetzt wurde es etwas unangenehm, aber nie schmerzhaft. Er schob eine Elektrode, direkt in die Prostata und dort genau an den Platz, den er für die Therapie wollte. Das ging für mein Gefühl ruckzuck und kaum angefangen, war er schon fertig. Das gleiche Procedere dann auf der rechten Seite. Lokalanästhesie, Elektrode setzen und fertig. Jetzt noch die blaue und rote Stromklemme mit den beiden Elektroden verbunden und mit Pflaster an meinem Körper fixiert.

Zu zweit haben mich Dr. Mayer und Frau Schmidt nach oben auf mein Kissen geschoben, die hölzerne „Hantelbank“ vom Fußende entfernt, mir eine Rolle unter die Kniekehlen geschoben, mich zugedeckt, noch gefragt, ob sie das Licht ausmachen sollen und mir gesagt, sie würden immer wieder nach mir sehen. Türe zu und nun lag ich in einem wunderbaren Bett mit einem Kissen nach meinem Geschmack, wissend, dass ich zwischen meinen Schenkeln 2 Elektroden in meiner Prostata hatte, aber ohne auch nur etwas davon zu spüren. Ich stand sozusagen unter Strom.

Nun wusste ich, 3 Stunden auf dem Rücken liegen, das kann lang werden. Eine gute Gelegenheit für ein Schläfchen. Aus dem Schläfchen wurde dann ein ausgewachsener Schlaf von gut 2 ½ Stunden. Ich erinnere mich an kurze Besuche von Dr. Mayer oder Frau Schmidt.

Dann nach 3 Stunden ging es noch schneller wie am Anfang. Decke zurück, Klemmen von den Elektroden entfernt, beide Elektroden gezogen und eine Einlage in die Unterhose, falls die Einstichstellen noch etwas nachbluten sollten.

Verwundert lag mir eine Frage auf der Zunge: „War's das?“. „Ja!, das war's – für heute“. Klar, denn ich wusste ja aus dem Beratungsgespräch, dass es bis zu 3 Sitzungen geben kann. Die nächste dann in cirka einer Woche.

Ich zog mich also fertig an und mein erster Weg führte mich zum Auto, um an der Parkuhr nachzubezahlen. Fahren durfte ich noch nicht. Man hat mir geraten, das Auto gut 6 Stunden nach Beginn des Eingriffs stehen zu lassen. Also gut, Regensburg ist zu Fuß wunderschön und ich freute mich schon beim Verlassen der Praxisklinik Dr. Mayer auf einen Kuchen und eine Tasse Kaffee.

Ein Spaziergang voller Erkenntnisse und Einsichten

Dieser noch gut 2 Stunden dauernde Spaziergang hat in mir sehr viel bewegt und ausgelöst. Ich realisierte, ich war soeben in einer Behandlung, um meine Prostata zu verkleinern. Es war die absolut gleiche Behandlung, als wenn ich für meine Prostata eine Krebsdiagnose erhalten hätte. Und ich laufe hier spazieren, als ob nichts gewesen wäre. Selbst im Nachhinein spüre ich nicht, was in den letzten 3 Stunden passiert ist.

Vor noch gar nicht so langer Zeit habe ich einen guten Bekannten und die Schwiegermutter meiner Tochter durch eine Krebsdiagnose verloren. Beide haben sich traditionell mit Operation und Chemo behandeln lassen. Ich weiß nicht ob mein Bekannter mit dieser Galvanotherapie eine Chance gehabt hätte, aber mir ist auf diesem Spaziergang klar geworden, dass die Entfernung eines Tumors das Eine ist, aber nicht losgelöst von der Qualität des Lebens danach getrennt zu betrachten ist.

Wenn es jedem Patienten gelänge, seinen Tumor mit der gleichen Leichtigkeit behandeln zu lassen, wie ich es mit meiner Prostatavergrößerung geschafft habe, könnte viel körperliches und seelisches Leid erspart bleiben.

Auf diesem Spaziergang stellte sich mir auch immer wieder die Frage, ob es wirklich einen Sinn macht, in diese Therapie um die € 6.000 zu investieren, falls die maximale Anzahl von 3 Sitzungen erforderlich würden. Eine Summe, die meine aktuellen finanziellen Möglichkeiten ohne die Hilfe der Familie weit übersteigt. Ich weiß heute: JA, es macht Sinn! Allerdings ist das meine eigene Wahrnehmung. Es muss jeder für sich selbst entscheiden. Und natürlich war ich glücklich, dass ich am Ende zur vollständigen Genesung nur 2 Sitzungen brauchte.

Ich habe abgewogen zwischen einem Klinikaufenthalt, bei dem ich in der Aufnahme meinen Namen gegen eine Strichcode tausche. Mir ist klar, dass ein Klinikum eine Gesundheitsfabrik ist, in der man als Patient kompatibel sein muss. Ich hätte mich einlassen müssen auf Zimmernachbarn, die ich nicht kenne, auf gestresstes Personal, auf eine Narkose, einen Operationssaal, einen Aufwachraum, einen Katheter, Risiken und Nebenwirkungen, Visiten und Zimmerservice getaktet nach der Uhr und immer unter dem Hinweis, dass man als Patient ja nicht der Einzige sei.

Eine Behandlung also in einem Krankenhaus oder Klinikum für die alleine pro Tag und Bett mindestens € 800 verlangt werden. Dazu die Operation und alles was dazu gehört. Macht zusammen ganz sicher deutlich über € 10.000, welche allerdings die Kasse übernimmt.

Ich lebe mit dem komischen Gefühl, dass eine Krankenkasse mehr bezahlt als es erforderlich wäre und ich meiner Versicherung viel Geld gespart habe. Allerdings erwarte ich dafür keinen Dank. Als Danke werden dafür sicher bald wieder die Beiträge steigen. So will es nun mal das Gesundheitssystem. Es geht in diesem System zwar auch um den Patienten, aber erst kommen die wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Zwänge einer medizinischen Einrichtung.

Nein, ich klage nicht an – ich stelle fest. Und mir wurde bewusst, dass ich im Gesundheitssystem als Patient keinen habe, der meine Interessen vertritt. Mir wurde damit auch klar, mit der Entscheidung für die Galvanotherapie bei Dr. Mayer eine selbstbestimmte und bewusste Entscheidung für MICH und MEINE Bedürfnisse getroffen zu haben, für die nur ich selbst verantwortlich bin. Ich würde es bei gleichen Rahmenbedingungen immer wieder tun.

Irgendwann war dann mein Spaziergang durch Regensburg und an der Donau entlang vorbei und ich fuhr mit dem Auto mit viel Dankbarkeit und sehr viel inneren Frieden wieder zurück nach München.

Die Veränderungen

Die ersten drei Tage nach dem Eingriff waren irgendwie „witzig“. Ich weiß, an dieser Stelle eine seltsame Beschreibung für meine Gefühle, aber der Tag verging und der Körper zeigt keine Anzeichen, dass an meiner Prostata etwas geschehen ist. Das war so eigenartig, dass ich mich manchmal bewusst auf eine harten Untergrund setzen musste, damit dieses „Aha, da war was“ aufgekommen ist. Ich hatte keinerlei Einschränken – außer bei Wasserlassen. Anfangs das komische Gefühl in der Harnröhre, als ob da eine kleine Entzündung wäre und vor allem das Gefühl, als ob der Abfluss aus der Blase noch länger dauert als früher. Und war die Blase dann leer, war es wieder als ob nie etwas gewesen wäre.

Zwei mal hat mich Dr. Mayer angerufen und sich nach meinem Wohlbefinden erkundigt – am Tag nach der Operation und am fünften Tag danach. Auch das ist mir noch nie nach einem Krankenhausaufenthalt passiert. Dabei musste ich ihm vom 4. Tag nach dem Eingriff berichten. An diesem vierten Tag danach, es war ein Samstagabend, ist es passiert, dass meine Lebenspartnerin und ich uns körperlich näher gekommen sind. Ein spannender Moment.

Soll ich? Soll ich nicht? Am 4. Tag nach der Prostata-Behandlung schon intim? Wenn aber das Gefühl stärker als der Verstand ist, dann dominiert das Gefühl und es kam wie es kommen musste und das im wahrsten Sinn des Wortes. Es kam, wie es kommen musste! Die größte Barriere war allerdings im Kopf in Erwartung, was beim Höhepunkt wohl passieren wird. Ja klar, die Prostata hat sich zusammengezogen und mir schon mitgeteilt, dass da was war. Aber das war es dann auch schon. Als ich Dr Mayer von meinem sexuellen Erlebnis am vierten Tag erzählt habe, hat er schallend gelacht und meinte nur: „Wer am vierten Tag nach der Punktion der Prostata und einer 3-stündigen Galvano- Sitzung an Sex denkt – ich glaube, da haben wir nichts falsch gemacht“. Ich konnte nur mitlachen und ergänzen: „Wir haben nicht nur an Sex gedacht...“

Von Tag zu Tag hat sich das Gefühl beim Wasserlassen verbessert. Dieses leicht brennende Gefühl wurde weniger und war nach 6 Tagen völlig weg. Der Strahl wurde von Tag zu Tag kräftiger. Kurzum: Ich war für die zweite Sitzung bereit. Diese war dann genau sieben Tage nach der Ersten.

Auf einem Bein steht man schlecht

Das Erfordernis für mehrere Sitzungen ergibt sich aus der Wirkung der Therapie mit den Elektroden. Es wurde mir so erklärt, dass in einem Radius von ca. 1,5 cm um die Elektrodenspitze herum sogenannte Nekrosen entstehen, die der Körper im Laufe der Zeit selbst abbaut. Aus der Größe der Prostata ergibt sich somit die Masse, die gemäß Therapieplan abgebaut oder nekrotisiert werden soll. Somit war von vorneherein klar, dass es sicher eine zweite Sitzung geben wird – unter Umständen auch eine dritte.

Über diese zweite Sitzung zu berichten, wäre ein copy&paste der ersten Sitzung. Vom Ablauf her alles wie gehabt, allerdings mit einem großen Unterschied: Die Vertrautheit mit Doktor Mayer und Frau Schmidt, die Vertrautheit mit der wieder so angenehmen Umgebung und das Wissen, was nach dem „Können wir anfangen?“ kommt.

Ich war an diesem Tag etwas sensibler und spürte deutlicher, wie die Elektrode in meiner Prostata platziert wurde und ich spürte davor auch den Setzen der lokalen Anästhesie.

Schlafen konnte ich an diesem Tag gar nicht. Ich war einfach nicht müde. Also nahm ich meinen alten MP3-Player, hörte Musik und telefonierte. Der Akku vom Handy war ja voll.

Die Besuche vom Arzt und seiner Assistentin waren eben so zahlreich wie kurz, denn man konnte mir ansehen, dass es mir gut ging. Nach 3 Stunden wurden die Nadeln einfach wieder gezogen, ich bekam für den Fall einer kleinen Nachblutung wieder meine „Windel“, zog mich an und das war's.

Ach, beinahe hätte ich es vergessen. Ich lag im Bett, hatte die Nadeln in der Prostata und nach ca. 2 Stunden meldete sich meine Blase. Nein, 3 Stunden würde ich es so nicht aushalten. Aufstehen ging auch nicht, weil ich mich dazu wegen den Elektroden gar nicht hinsetzen konnte. Also drückte ich die Ruftaste. Wahnsinn, ich hatte den Knopf noch gar nicht losgelassen, öffnete sich schon die Türe zu meinem Behandlungszimmer. So schnell kannte ich das von keinem meiner Krankenhausaufenthalte in den vergangenen 50 Jahren.

Ich sagte Frau Schmidt, dass ich mal müsste. „Kein Problem“ sagte sie, „hier ist die Flasche. Einfach zur Seite drehen. Ganz einfach. Sie schaffen das.“ Na klar kannte ich den Umgang mit einer Urinflasche und somit war auch das Problem gelöst und ich konnte nach Lust und Laune weiter telefonieren.

Auch nach dieser Sitzung war mein erster Gang zum Parkplatz um Parkgebühren nachzuzahlen und auch dieses mal genoss ich den Spaziergang durch Regensburg und entlang der Donau.

Und schließlich war auch die Heimfahrt wieder ein Klacks. Zuhause angekommen musste dann noch ein Zimmer umgeräumt werden. Körperliche Arbeit am Tag einer Prostata- Behandlung sicher nicht die Regel, ab ganz sicher auch kein Problem.

Und heute?

Knapp vier Wochen nach der ersten Behandlung funktioniert alles bestens und doch verändert sich immer noch etwas von Tag zu Tag. Der Urinstrahl ist manchmal etwas dünner und manchmal kräftiger. Er schwankt etwas, aber in der Tendenz wird er jeden Tag kräftiger. IHN in seiner Sexualität zu beobachten macht richtig Spaß und aus der ehemaligen Befürchtung was da kommt, wenn es kommt, wurde die lustvolle Freude auf alles, was da kommen möge. Dankbarkeit Ich durfte für ein sehr intimes und sehr unangenehmes Problem einen Arzt und Menschen in seiner Praxisklinik kennen- und schätzen lernen, der mir gezeigt hat, dass man auch in seinem Leid Mensch sein darf und als Mensch behandelt wird. Beim Verlassen der Praxis sind mir noch eine Frau und ein Mann begegnet, von denen ich nicht wusste, mit welcher Diagnose sie Dr. Mayer aufgesucht haben. Ich weiß also nicht, ob der Anlass eine gutartige oder eine bösartige Angelegenheit war. In meiner Freude habe ich beide angelächelt und wenn es mir mit meinem Lächeln gelungen ist, einen Funken Zuversicht und Vertrauen in die Therapie und Doktor Mayer zu übermitteln, dann weiß ich, dass alles gut ist, auch wenn dies für Krebspatienten ohne Heilaussicht ein würdevolles Ende bedeuten kann.

Noch was?

Das Schöne an einer vergrösserten Prostata ist, man lernt viele neue Bekannte und vielleicht auch Freunde kennen. Ich erzählte vielen, dass meine Prostata schon mal kleiner war und ich früher an jedem Weitpinkelwettbewerb hätte teilnehmen können. Schlimmer aber war dieses nächtliche Aufstehen, das der Körper irgendwann einfach nicht mehr verkraftete. Ich erlebte, wie sich der Kreis meiner Leidensgenossen mit jedem Gespräch vergrößerte. Ja, es geht uns alle an, denn die Prostata wächst bei jedem Mann.

Danke

Danke, noch einmal an Dr. Florian Mayer und seine Damen in der Praxisklinik.

 

München, im Januar 2018